Historisches Tabletop allgemein
Was ist historisches Tabletop und worin unterscheidet es sich vom hierzulande weitaus bekannteren Fantasy und Science Fictiontabletop? Die Antwort, das Nachspielen von historischen Schlachten mit den dazugehörigen Armeen, liegt zwar auf der Hand wird diesem Aspekt des Hobbys allerdings nur teilweise gerecht.
Das Nachbilden von historisch existenten oder zumindest plausiblen Armeen und Gefechte zwischen selbigen kommt der Sache vermutlich näher. Nicht jede historische Armee gab es in der dargestellten Form tatsächlich, und historische Spieler spielen keineswegs nur Schlachten nach, die sich tatsächlich ereignet haben – natürlich ist das ein bedeutender Teil des Hobbys, aber ein nicht weniger bedeutender Teil sind fiktive „What if“ Szenarien.
Das Spektrum dieser What ifs reicht von solchen, die sich nur geringfügig von der wirklichen Geschichte unterscheiden (was wäre wenn Longstreet bei Gettysburg seine Attacke auf Little Round Top schon vier Stunden früher gestartet hätte), über größere, aber theoretisch noch mögliche Abweichungen (was wäre passiert, wenn die Wehrmacht bei Dürnkirchen sofort angegriffen hätte?) bis zu völlig irrealen Szenarios, die fast schon einen Fantasytouch aufweisen (Was passiert wenn Alexander der Große und Johanna von Orleans mit ihren Armeen aufeinander treffen).
Natürlich beschränkt man sich bei solchen fiktiven Paarungen auf solche die Spieltechnisch Sinn machen. Ein mittelalterliches Ritterheer ist einer antiken Phalanx in Ausrüstung und Taktik ähnlich genug, dass sich daraus ein Interessantes Spiel ergibt, Attilas Hunnen auf Napoleons Grande Armeé treffen zu lassen wacht nur wenig Sinn, da der Hunnensturm einfach vom Tisch geschossen würde ehe er überhaupt sein Ziel erreichen könnte.
Doch selbst bei solchen fiktiven Paarungen gibt es dennoch substantielle Unterschiede zu Fantasysystemen. Zum einen basieren die verwendeten Armeen auf geschichtlichen Vorbildern und sind dementsprechend organisiert und operieren dadurch naturgemäß auch mit zu ihnen passenden Taktiken, zum anderen ist dadurch eine Armee nicht mit einem bestimmten Regelwerk verknüpft wie das bei Fantasysystemen üblich ist, sondern kann mit verschiedenen Regeln gespielt werden, da sich ihre Zusammensetzung nicht ändert.
Ein weiterer Unterschied ist, dass historische Armeen weitaus größer waren, als die Zahl der Zinnminiaturen, die man mit einem sinnvollen Aufwand bemalen und aufstellen kann. Heeresstärken reichen von einigen Tausend Mann in Antike und Mittelalter bis zu den Massenarmeeen des 19. Und 20. Jahrhunderts die oft über Hunderttausend Mann umfassten. Dadurch haben sich Figurenmaßstäbe eingebürgert (nicht zu verwechseln mit dem Maßstab der eigentlichen Zinnfigur – etwa 25mm) wonach eine Figur 20, 30, 50 im Extremfall auch 120 oder 200 Mann darstellt. Während bei den meisten Fantasysystemen eine Figur einen einzelnen Kämpfer repräsentiert, stellen historische Armeen im Allgemeinfall wesentlich größere Truppenkörper dar.
Ein weiterer nicht zu unterschätzender Pluspunkt ist der Preis. Verglichen mit derr typischen 25mm Fantasyfigur kostet eine historische 25mm Figur, abhängig vom Hersteller etwa um ein Drittel bis die Hälfte weniger. Preislich ungeschlagen sind überhaupt 15mm Figuren – hier kommt man hier bei einer typischen Armee mit 60 bis 100 Euro davon – ein Bruchteil der kosten, die auf einen Fantasyspieler zukommen.
Neulinge werden sich fragen, woher bekomme ich all die Informationen, die ich brauche um eine historische Armee korrekt nachzubauen, die Farben der Uniformen, die Zusammensetzung der Regimenter etc. – Geschichtbücher enthalten da wenn überhaupt oft nur nackte Zahlen.
Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von „spielerischen“ Quellen. Zum einen gibt es eine Vielzahl von Literatur, die auf die Bedürfnisse von Spielern zugeschnitten ist. Erwähnenswert wäre da etwa die Osprey Serie (auch in deutscher Übersetzung vom Siegelverlag erhältlich), Die Armies and Enemies Bücher der Wargame Research Group, die Bücher von Fred und Liliane Funcken, die Armeelistenbücher verschiedener Hersteller (im Bereich der Antike bilden da vor allem die Warriorlists von Fourthhorsemanenterprises und die DBM Listen der WRG den Standard), Artikel in den Zeitschriften Miniature Wargames und Military Modeller sowie das Internet selbst. (Gebt mal „American Civil War“ im Google ein und schaut mal...)
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